SW Campus

Heute die Technology People von morgen ausbilden Technology People von morgen werden

Dr. Michael Raus im Interview über die neue Ausbildungsstruktur bei SW

Dr. Michael Raus ist promovierter Elektrotechnik-Ingenieur und seit über 10 Jahren als Leiter von Firmenakademien tätig. Er leitet seit 2016 die SW-Academy für Kundenschulungen und Mitarbeiterweiterbildung und ist seit Anfang des Jahres auch für die Ausbildung unter dem Dach des „SW-Campus“ verantwortlich.

    Herr Dr. Raus, SW ist seit Jahren auf Wachstumskurs, leidet aber wie viele Unternehmen in der Region auch unter Fachkräftemangel. Welche Rolle spielt bei SW in diesem Zusammenhang die eigene Ausbildung?

    Bei SW hat die Ausbildung gewerblicher Mitarbeiter eine lange Tradition und wir sind in der Region seit langem für unsere gründliche und umfassende Ausbildung bekannt. Daher setzen wir schon seit Jahren auf den Ausbau der gewerblichen Ausbildung und erhöhen die Zahl der Auszubildenden kontinuierlich. Während ein Ausbildungsjahrgang bei SW vor wenigen Jahren noch aus 10 Industriemechanikern,  Zerspanungstechnikern und Mechatronikern bestand, starten wir dieses Jahr im September mit 30 Azubis und Studenten und werden diese Zahl für das kommende Jahr noch weiter erhöhen.

    Das klingt nach einer großen Herausforderung für SW und insbesondere für die Ausbildungsabteilung. Wie bekommen Sie das hin?

    Wachstum erleben wir bei SW schon über die letzten Jahre hinweg – wer regelmäßig durch Waldmössingen fährt, kann dies gut an den verschiedenen Werkserweiterungen erkennen. Allein hier hat sich die Belegschaft in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. Das bringt natürlich viele Veränderungen mit sich und so liegen alleine die Investitionen in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter mit modernen Methoden sicherlich über dem Branchendurchschnitt für ein Unternehmen unserer Größe. Die SW-Academy ist dabei unser Motor für kompetenzbasierte Weiterbildung z.B. mit fremd- aber auch selbst produzierten E-Learning-Kursen für die Mitarbeiter. Seit Anfang des Jahres sind SW-Academy und Ausbildung jetzt unter dem Dach des „SW-Campus“ zusammengefasst, wodurch sich zahlreiche Synergien ergeben – hier ergibt 1+1 definitiv mehr als 2.

    Was bedeutet das konkret? Wie profitieren die Auszubildenden vom SW-Campus?

    Zunächst verdoppelt sich zum neuen Ausbildungsjahr die Fläche des Ausbildungsbereiches. Dies bedeutet aber nicht nur mehr Platz für die wachsende Zahl der Azubis, mehr moderne Arbeitsplätze und Maschinen sondern auch die Möglichkeit, in der Ausbildung noch stärker auch Zukunftsthemen wie z.B. robotergestützte Fertigungssysteme oder additive Fertigung zu vermitteln. 3D-Drucker, Roboter-Ausbildungszellen und Pneumatik-Selbstlernsysteme gehören ab jetzt zum Alltag unserer Auszubildenden. Durch die Nähe zur SW-Academy können darüber hinaus jetzt auch die Lernmedien und Maschinen für die Kunden- und Technikerausbildung in der Ausbildung genutzt werden und die erfahrenen Academy-Trainer ergänzen die Ausbilder durch praxisnahe Ausbildungseinheiten.

    Die Auftragsbücher von SW scheinen auch in diesem Jahr wieder gut gefüllt zu sein. Wie schafft es SW bei solch hoher Auslastung, zukünftig noch mehr Azubis in der Montage auszubilden?

    Das ist tatsächlich eine Herausforderung. Damit wir zukünftig noch mehr Auszubildende in unserer Montage einsetzen können, setzen wir schon seit dem vergangenen Jahr verstärkt auf das Konzept der „Lerninsel“. Dabei lernen die Azubis von erfahrenen Montagemitarbeitern in einem eigenen Bereich in der Werkshalle die Montage und Inbetriebnahme einer SW-Maschine von A bis Z. Für die neuen Ausbildungsjahrgänge wird die Lerninselausbildung noch einmal deutlich ausgebaut und so sichergestellt, dass die Azubis bereits bestens ausgebildet und vorbereitet in die Montage kommen und dort im realen Arbeitsalltag Ihre Erfahrungen sammeln.

    Sie erwähnten die SW-Academy als Motor für neue Lernmethoden – profitieren davon zukünftig auch die Azubis?

    Auf jeden Fall. Schon seit Jahresbeginn führen wir schrittweise neue Methoden in der laufenden Ausbildung ein. So verbessern die Azubis mit Hilfe der SW-Lernplattform und E-Learning-Kursen nicht nur ihre Pneumatik-, Hydraulik- oder Excel-Kenntnisse sondern gleichzeitig auch ihre digitale Kompetenz. Ein anderes Beispiel: in unserem ersten TEC-Cube-Projekt haben die Azubis des 1. Lehrjahres in Eigenverantwortung für ihre „Kunden“, z.B. die Lebenshilfe in Waldmössingen, neue Produkte entwickelt und eigenständig gefertigt. Neben der Design-Phase waren die Azubis dabei für alle Bereiche von der Konstruktion über die Materialbeschaffung und Fertigung selbst verantwortlich. Und natürlich mussten dabei sowohl die Sicherheitsbestimmungen und das Budget als auch die Kundenwünsche immer im Auge behalten werden. Letztlich war dieses Projekt nicht nur für die „Kunden“ sondern auch für die Azubis eine tolle Erfahrung.

    Was hat Sie persönlich in diesem Projekt am meisten überrascht?

    Ehrlich gesagt die Selbstverständlichkeit, mit der die Azubis diesen ungewohnten Freiraum genutzt aber auch aus Fehlern gelernt haben. So nutzen die tollsten Ideen für das neue Produkt nichts, wenn der Kunde eigentlich etwas anderes möchte. Zum Glück waren die Bewohner des Lebenshilfe-Wohnheims hier sehr direkt und ehrlich und das Team hat für die Zukunft gelernt, dass der Kunde immer das letzte Wort hat. Erstaunt hat uns aber auch, wie sich die Teams selbst organisiert haben. In kürzester Zeit wurden aus Ideen Produkteigenschaften und der als Steuerung eingekaufte unbekannte „Raspberry Pi“ wurde mit vereinten Kräften ans Laufen gebracht. Und so überraschte es dann am Ende eigentlich nicht, dass die TEC Cubes von den „Kunden“ mit viel Begeisterung entgegengenommen wurden.

    Es scheint so, als würde sich für die Azubis des neuen 1. Lehrjahres so einiges ändern.

    Ja und nein. Was sich auf keinen Fall ändern wird, ist die gründliche und umfassende Ausbildung, für die SW bekannt ist und die intensive Betreuung durch das Ausbilderteam, das zu Jahresanfang noch einmal erweitert wurde. Ansonsten erwartet unsere jüngsten Mitarbeiter aber schon einiges, was es bislang so bei SW nicht gab. So beginnt die Ausbildung zukünftig immer mit dem TEC-Cube-Projekt. In fachübergreifenden Teams haben die Azubis dann 4 Monate Zeit, für ihre „Kunden“ das perfekte Produkt zu entwerfen und umzusetzen. Weiterhin werden unsere Azubis „digital mobil“ zunehmend mit mobilen Endgeräten nicht nur kommunizieren sondern auch Arbeitsaufgaben erhalten und 3D-Drucker und mobile Smartboards gehören ab sofort zum Ausbildungsalltag. So bereiten wir die Azubis auf einen Arbeitsplatz vor, der zukünftig immer mehr durch Themen wie „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ geprägt sein wird.

    „Digitalisierung“ und „Industrie 4.0“ – das klingt anspruchsvoll. Bedeutet das, dass zukünftig die Anforderungen an Bewerber für eine Ausbildung bei SW steigen werden?

    Zunächst einmal sind wir überzeugt, dass unsere zukünftigen Azubis als echte „digital natives“ viel weniger Probleme mit diesen neuen Technologien haben werden als Viele vielleicht denken. Und mit der richtigen Vorbereitung und unserer Unterstützung in Ergänzung zum Unterricht in der Berufsschule helfen wir, dass das auch während der Ausbildung so bleibt. Falls mit den Anforderungen an die Bewerber die Schulnoten gemeint sind, so spielen diese schon jetzt für uns keine Rolle mehr. Das klingt überraschend aber wir setzen viel mehr auf  die Persönlichkeit der jungen Menschen als auf Wissenslücken, die sich schließen lassen. Wir nennen das „das SW-Prinzip“, basierend auf unseren Leitwerten „Menschlichkeit“, „Leistungswille“, „Mut und Verantwortung“ und „Verlässlichkeit“.

    Und wie stellen Sie fest ob ein Bewerber zu SW passt?

    Indem wir jeden, der sich bei uns auf eine Ausbildungsstelle bewirbt, gleich zu einem 30-minütigen Online-Test einladen, bei dem nicht Schulwissen sondern nur die eigene Persönlichkeit gefragt ist. So können wir uns gleich ein Bild davon machen, ob SW und der Bewerber zueinander passen könnten oder nicht. Wenn es passt, laden wir den Bewerber zu uns nach Waldmössingen zu einem weiteren Test ein. So lernen wir uns gegenseitig kennen und können die Kandidaten auswählen, die wir dann zu einem ausführlichen Gespräch einladen.

    Und die Schulnoten spielen ab sofort bei SW überhaupt keine Rolle mehr?

    Ganz so ist es natürlich nicht – ein Bewerber, der gut zu SW passt und gute Schulnoten mitbringt, freut uns natürlich auch weiterhin. Aber schlechtere Schulnoten sind für uns kein Grund, einen Bewerber schlechter einzuschätzen wenn er mit seiner Persönlichkeit punktet. Wenn es um den späteren Erfolg im Beruf geht, vertrauen wir einfach der Persönlichkeit mehr als Schulnoten. Aber trotzdem können z.B. gute Englischkenntnisse nicht schaden denn SW ist weltweit tätig mit Tochtergesellschaften in China, den USA und Mexico. Und ab dem nächsten Ausbildungsjahr bieten wir unseren Azubis die Möglichkeit, an einem SW-internen Sprach-Programm teilzunehmen, das bei erfolgreichem Verlauf am Ende der Ausbildung mit einem mehrwöchigen Aufenthalt bei SW in den USA abgeschlossen werden kann.

    In welchen Ausbildungsberufen bildet SW aus?

    Im gewerblich-technischen Bereich bilden wir aktuell Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker und Mechatroniker aus. Dazu kommen Fachkräfte für Lagerlogistik, Industriekaufleute und Fachinformatiker und wir haben natürlich auch verschiedene Angebote für StudiumPlus- und duale Studiengänge.

    Warum bildet SW eigentlich Zerspanungsmechaniker aus?

    Die Frage ist durchaus berechtigt. Eigentlich sind es ja unsere Kunden, die mit unseren Bearbeitungszentren zerspanende Bearbeitung durchführen und dafür Zerspanungsmechaniker einsetzen. Bei SW werden Zerspanungsmechaniker aber auch gar nicht in der Produktion eingesetzt sondern z.B. in der Entwicklung und im Technologiebereich. Wir können eben nur dann für unsere Kunden die besten Maschinen konfigurieren und entwickeln, wenn wir ihre Anforderungen und Herausforderungen genau kennen und dafür brauchen wir hochqualifizierte Zerspanungsmechaniker. Sie sind Experten in einem  spannenden und abwechslungsreichen Arbeitsumfeld – eben echte Technology People.

    Dann bleibt nur noch die Frage, ob es bei SW noch freie Ausbildungsplätze gibt.

    Interessierte Schülerinnen und Schüler sind jederzeit herzlich willkommen, sich bei uns zu bewerben, ein Praktikum durchzuführen oder auch einfach nur unverbindlich zu informieren. Aktuelle Informationen findet man aber immer auch auf der SW-Webseite oder auf Facebook.

    Du hast Fragen zu unserem Ausbildungsprogramm? Unsere Personalabteilung hilft dir gerne weiter. 

    Dirk Christen
    07402 74 7232
    d.christensw-machines.de